Cubio (Zimtkartoffel)

Die zimtige Knolle aus den Anden

Bei uns ist sie nicht gerade bekannt, kein Wunder bei dem Aussehen! Unförmig, knorpelig und etwas an Kartoffeln erinnernd, kann sie keine EU-normfähige Einheitsgrösse bieten. Die Rede ist von der „Cubio“, die man in unseren Breitengraden hier und da als Zimtkartoffel angeboten bekommt. Also doch Kartoffel? Weit gefehlt, denn mit der grossen Familie unseres beliebtesten Grundnahrungsmittels hat sie nichts zu tun. Klar, sie wächst unter der Erde, ist aber die Frucht der knolligen Kapuzinerkresse und gehört somit zur Familie der Kapuzinerkresse-Gewächse mit dem netten botanischen Namen Tropaeolum tuberosum, welcher sie wiederum als Knolle bestätigt.

Ihre Heimat ist Südamerika, wo die Cubio auch Apina-mama, Mashua oder auch Anua genannt wird. Sie wird etwa acht Zentimeter lang und hat eine weisslich-gelbe Grundfarbe mit violetten Einkerbungen. Schon vor Christoph Columbus diente die Knollenfrucht den Bergvölkern in den Anden als Hauptnahrungsmittel, denn in 4000 Metern Höhe ist kein Kartoffelanbau mehr möglich. Die Cubio hingegen ist frostresistent und wird heute von Bolivien über Peru bis Chile kultiviert, wo sie hauptsächlich als Brei oder in gebackener Form gegessen wird. Dabei ist die Palette ihrer Zubereitungsmöglichkeiten wesentlich grösser.

Im rohen Zustand verströmt sie einen zarten Zimtduft (daher auch der eingangs erwähnte Name Zimtkartoffel), aber einmal auf der Zunge, vermittelt sie kräftige Aromen, die an Senf und Meerrettich erinnern. So kann man, dünn gehobelt, Salaten oder kalten Fleischgerichten eine interessante Würze verleihen. Nach dem Kochen verliert sie diese Schärfe und nimmt einen nussig-süsslichen Geschmack an.

Man kann sie wie Kartoffeln kochen und dann pellen, aber auch in der Folie im Ofen garen. Als Purée harmoniert die Cubio bestens mit Wildgerichten oder sogar mit gebratener Gänseleber. Als Chutney oder ähnlich wie Kürbis eingelegt, ist sie eine schmackhafte Ergänzung für Terrinen und Pasteten. Als luftig-leichte Samtsuppe mit frischem Trüffel ist sie ein Genuss. Durch die süssliche Note nach dem Garen bereichert sie selbst die Pâtisserie. Sie harmoniert bestens mit den Aromen von Schokolade oder Kaffee. Logisch: Sie haben ja die gleiche Heimat.

Zuletzt aktualisiert am 29. Juli 2015 von Jasmin Kaltenegger.

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